Un-Sensibel – ein Konzept für Inklusion in Gruppenstunden

Inklusion ist ein wichtiges Thema in unserer Gesellschaft und je früher man hier ansetzt, desto besser. Doch wie kann ich dieses sensible Thema in meiner Gruppenstunde einbringen? Die dpsg Würzburg hat dazu ein Konzept entwickelt, das wir euch hier kurz vorstellen möchten.

Das Konzept trägt den Titel „Un-Sensibel“ und soll Kindergruppen für die Lebenswelt von Menschen mit Behinderung sensibilisieren. Aufgebaut ist das Konzept aus fünf aufeinanderfolgenden Modulen, jeweils für eine Gruppenstunde ausgelegt. Unter anderem geht es um Bedürfnisse im Allgemeinen, Autismus, körperliche Behinderungen und um Sinnesbehinderungen.


Klären wir zunächst einmal die Rahmenbedingungen:

Vorgesehen ist das Konzept für ca. 9-15 Kinder im Alter von 10-12 Jahren. Mindestens zwei ausgebildete Gruppenleiter*innen sollten die Gruppe begleiten. Die Module lassen sich bei wöchentlich stattfindenden Gruppenstunden in einem Zeitfenster von ca. 1,5 Stunden durchführen. Lediglich für Modul 4 und 5 solltet ihr etwas mehr Zeit einplanen, jeweils ca. 2,5-3 Stunden. In euren Räumlichkeiten braucht ihr genügend Platz für einen Steh- und Sitzkreis und ihr solltet möglichst abgeschottet von äußeren Einflüssen (Straßenlärm, Telefon etc.) sein. Für eines der Spiele wird eine große Fläche im Freien, bestenfalls mit natürlichen Hindernisse (Bäume, Sträucher, …) benötigt.


Sind alle Rahmenbedingungen geklärt kann es auch schon losgehen mit Modul 1. Dieses dient als Einstieg in die Thematik. Die Kinder erhalten einen ersten Eindruck, wie sie sensibel auf die Bedürfnisse anderer eingehen können. Spielerisch erkennen sie dabei bestimmte Bedürfnissen und Handicaps und lernen entsprechend darauf zu reagieren. Im zweiten Teil des Moduls erfahren die Kinder mehr über die Lebenswelt von autistischen Menschen und können sich so besser in diese hineinversetzen.

Bei dem zweiten Modul bereiten die Teilnehmer*innen gemeinsam eine Schnuppergruppenstunde vor, zu der Kinder mit Behinderung im Vorfeld eingeladen wurden. Die Gruppenleiter*innen informieren die Gruppe über die besonderen Bedürfnisse der Kinder mit Behinderung. Anschließend überlegen sich die Gruppenkinder Spiele, welche die Bedürfnisse und Handicaps der neuen Kids berücksichtigen.

Als drittes Modul ist die Schnuppergruppenstunde vorgesehen. Kinder mit Behinderung kommen zu dieser Gruppenstunde. Nachdem sich alle ein bisschen kennengelernt haben werden die in Modul 2 vorbereiteten Spiele gespielt. So lernen die Teilnehmenden mit den jeweiligen Bedürfnissen und Handicaps der anderen umzugehen und sich gegenseitig wertzuschätzen. Die Kinder mit Behinderung bekommen einen kleinen Einblick in die verbandliche Jugendarbeit und können gegebenenfalls längerfristig an der Gruppenstunde teilnehmen.

Modul 4 widmet sich dem Feld der körperlichen Behinderungen. Die Kinder erfahren wie es sich anfühlt im Rollstuhl zu sitzen und welche Vor- bzw. Nachteile damit verbunden sind. Bei einer Rollstuhlralley durch die Stadt müssen Sie verschiedene Aufgaben bewältigen, wie z.B. Bus fahren, in eine Kirche gehen oder Klamotten in einem Geschäft anprobieren.

Den Abschluss bildet Modul 5, bei dem es um Sehbehinderungen geht. Dazu ist ein Besuch in einem Dunkelcafé vorgesehen. In vollkommener Dunkelheit versuchen die Kinder sich zurechtzufinden und etwas zu Essen bzw. zu Trinken zu bestellen und dies auch anschließend zu verzehren. Gar nicht so einfach, wenn man nichts sieht. Die Bedienungen in solchen Cafés sind meist Menschen, die selbst eine Sehbehinderung haben.
Wenn es bei euch in der Nähe kein Dunkelcafé oder eine ähnliche Einrichtung gibt könnt ihr alternativ auch einen Parcours mit verbundenen Augen und Blindenstock durch die Stadt planen. Hier können die Kinder paarweise die Stadt erkunden, eine*r sehend um im Notfall eingreifen zu können, der*die andere mit verbunden Augen. Es können Aufgaben bewältigt werden wie beispielweise über eine Ampel oder eine Brücke gehen, den Bordstein hinaufgehen und vieles mehr.


Am Ende dieser fünf Module sollte das gesamte Konzept ausgewertet und reflektiert werden. Ihr könnt hierfür z.B. die „Fünf-Finger-Reflexion“ verwenden. Alle Kinder malen die Umrisse ihrer Hand auf ein Blatt Papier und schreiben zu jedem Finger etwas auf. Der Daumen steht für „Das war super“, der Zeigefinger für „darauf möchte ich hinweisen“, der Mittelfinger steht für „das stinkt mir, das hat mir nicht gefallen“, der Ringfinger bedeutet „das nehme ich mit nach Hause, das bleibt mir in Erinnerung“ und der kleine Finger für „das kam zu kurz“. Natürlich könnt ihr hier auch eine andere für euch passende Methode wählen.


Das komplette Konzept mit den Materialien, die Ihr dafür benötigt findet ihr auf der Homepage der dpsg Würzburg als PDF zum Download:

http://www.dpsg-wuerzburg.de/fileadmin/user_upload/downloads/Konzept_UnSensibel.pdf

Viel Spaß bei euren bunten, vielfältigen und inklusiven Gruppenstunden!