#MeToo

 

Es war überall, in den Nachrichten, im Internet und immer wieder das Gesprächsthema: der Hashtag #MeToo. Und gestartet hat das alles ein Tweet der Schauspielerin Alyssa Milano am 15. Oktober 2017, welchen sie im Zusammenhang mit der Weinstein-Debatte, losgetreten von dem Vorwurf mehrerer Schauspielerinnen, dass der Hollywood-Regisseure sie sexuell belästigt hatte, geschrieben hatte. Innerhalb eines Tages ging der Hashtag viral, Frauen aus allen Richtungen, Schauspielerinnen, Musikerinnen und auch Politikerinnen (wie die schwedische Außenministerin Margot Wallström) erhoben ihre Stimmen und erzählen von sexuellen Belästigungen, die sie durch ihre männlichen Kollegen und Vorgesetzten erfahren hatten.

Aber nicht nur in Hollywood, Politik und Co. gab es dazu Äußerungen, sondern auch Frauen aus allen Schichten und allen Nationen meldeten sich zu Wort und berichteten über ihre eigenen Erfahrungen.

All das führte zur Diskussion und zum Umdenken in der Gesellschaft, manche gingen sogar so weit die #MeToo Bewegung als vierte Welle des Feminismus zu betiteln.


SCHLAGLICHTER UND MEINUNGEN ZUR #METOO –DEBATTE

(1)Diese Debatte muss immer breiter werden. Der Versuch, die Auseinandersetzung mit Alltagssexismus als etwas Linkes abzustempeln, muss absurd und aussichtslos werden.
Konservative Frauen müssen mitmachen, Menschen auf dem Land, und natürlich Männer. #MeToo gehört auch in den Häkelkurs und ins Vereinsheim.
#MeToo ist eine Befreiung. Aber trotzdem bringt es unangenehme Fragen mit sich. Nicht nur für die Männer.“
Christian Bangel von Zeit online
(2) „Meine historische Erfahrung als ‹Altfeministin› zeigt, dass die gegenwärtige nicht die erste Konjunktur von Belästigungskritik ist und dass sie, wenn sie früher aufgetaucht war, jedes einzelne Mal ‹erfolgreich gescheitert› ist.
Was ich damit allerdings nicht sagen will ist, dass ich mich nicht wie eine Schneekönigin über jedes Arschloch freue, das erwischt und beschämt wird.“
Gabriele Dietz,
Kulturwissenschaftlerin

DIE BEWEGUNG

(12) Schließlich sind es vor allem weiße, privilegierte Frauen des öffentlichen Lebens, die im Fokus der Aufmerksamkeit von #MeToo stehen und Unterstützung erfahren und nicht etwa Sexarbeiterinnen oder geflüchtete Frauen.

(3) Sexismus betrifft uns alle, denn wir haben alle ein Geschlecht. Wer sich damit nicht ernsthaft auseinandersetzen will, verleugnet sich selbst.
Tobias Haberkorn, Zeit online

(4) Der Feminismus der siebziger Jahre war akademisch und weiß. Was es nun braucht, ist eine Bewegung, die alle einbezieht.
Die sich SOLIDARISCH zeigt, nicht nur gegenüber Frauen, die gegen gläserne Decken stoßen, sondern auch gegenüber Women of Color, alleinstehenden Müttern, prekär Beschäftigten.
Ein Feminismus, der nicht nur von Einzelfällen, sondern von Strukturen spricht. Ein Feminismus, der anerkennt, dass auch Männer unter der Binarität unseres Denkens leiden und der sie darum als potenzielle Komplizen begreift. Ein Feminismus, der das Banale nicht gegen das Politische ausspielt.
Ann-Kristin Tlusty, Zeit online

(5) DAS SCHWEIGEN Die Debatte über Alltagssexismus wird, neben aller Lautstärke, mit der sie geführt wird, begleitet von einer beängstigenden Stille. Nein, vielmehr ist es eine verängstigte, vielsagende Stille.
Das Schweigen der Männer und das Schweigen der Frauen haben eine unterschiedliche Qualität.
Oft schweigen beide aus Angst, und freilich sind nicht all diese Ängste unbegründet. Immer schweigen sie aber aus Selbstschutz.
Und die Frage, die sich uns allen stellt, ist nun: Wem wollen wir in dieser Neuverhandlung unseres künftigen Miteinanders Schutz gewähren?
Wer jedenfalls das allgegenwärtige Schweigen als Gleichgültigkeit, Zufriedenheit oder gar ein reines Gewissen interpretiert, ermutigt Zivilcourage nicht, sondern erstickt sie.
Rabea Weihser, Zeit Online

(6) KEINE PAUSCHALISIERUNG Wir müssen nicht nur über offensichtliche und strafbewährte Taten, sondern vielmehr über den alltäglichen Sexismus, in der Kantine, im Club, ach, überall reden. Wenn mehr als 50 Prozent aller Frauen sagen, sie seien mindestens einmal in ihrem Leben sexuell belästigt worden, ist es nicht an den Männern zu erklären, wo Sexismus anfängt und wo er aufhört.
Nicht jede Frau ist immer und überall Opfer. Und nicht jeder Mann ein Täter. Solche allzu einfachen Zuschreibungen bergen die Gefahr, dass diese wichtige Bewegung an Akzeptanz und Zugkraft verliert. Und dass manche Männer zur äußerst fragwürdigen Ausrede kommen: „Es ist egal, wie ich mich verhalte, es ist sowieso falsch. Weil ich ein Mann bin.
Markus Gatzke, Zeit Online

OPFER?

(7) DIE GERENZE IST KLAR: Sexualisierte Gewalt, die meist nichts mit Sex im genannten Sinne zu tun hat, sondern der bloßen Machtausübung und Triebabfuhr dient, ist tabu. Wo diese Grenze verläuft, muss gesellschaftlich ausgehandelt werden. #MeToo kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Alles darunter aber muss dem freien Spiel überlassen bleiben. Befriedigende Sexualität kann es nur geben, wenn zwei Menschen einander vertrauen. Vertrauen und Liebe jedoch lassen sich nicht regeln. Sie bestehen oder sie bestehen nicht – das ist das unendliche Glück und Leid des Menschen, seit es ihn gibt.
Ludwig Greven,Zeit online
(8) DIE URSACHEN DES PROBLEMS SIND VIEL TEIFLIEGENDER Verhaltensregeln und anonyme Hotlines in Unternehmen können helfen, Sexismus einzudämmen. Aber sie akzeptieren ihn als gegeben. Die ungleiche Verteilung von Entscheidungsmacht zwischen Männern und Frauen und daraus resultierende Abhängigkeiten ignorieren sie. Hier müssen wir ansetzen.
Rieke Havertz, Zeit online

!MACHT!

(10) Man träte der Menschheit nicht zu nahe, fragte man, was ihr fehle, wenn der dumpfe anzügliche Witz, der übergriffige Klaps oder weitaus Schlimmeres gesellschaftlich geächtet wären. Denn darum geht es. Nicht um wie auch immer geartete erotische Kontaktaufnahmen, über deren Spielregeln sich beide Seiten einig sind.
Von jenen, die sich derzeit ihre Nacht-und-Nebel-Gedanken über den allgemeinen Verfall des sexuellen Umgangs machen, wüsste man gern, was sie denn vor der #MeToo-Debatte im Verhalten gegenüber Frauen so in Ordnung fanden. Oder woher kommt nun die Panik? Es will ja niemand den Flirt abschaffen, niemand die Koketterie, niemand den Sex und das Spiel. Das sind Scheindiskussionen, in denen eine Krise des Erotischen herbeigeredet wird, die es nicht gibt.
David Hugendick, Zeit online
(9) Man muss immer das ganze System betrachten und kann sich nie nur von einem Augenblick leiten lassen, wo man sagt, der ist doch ganz harmlos, der darf sie doch mal dies und das. Dieses Machtgefälle, was es ja immer noch gibt, was es bis heute gibt, was ja noch lange nicht wirklich ausgeräumt ist, das spielt eine ganz große Rolle, und Erotik in einem Machtgefälle ist eine problematische Sache.
Iris Radisch, Literatur-Journalistin

ANGST VOR RÜCKSCHRITT der FREIHEIT DER SEXUALITÄT

(11)JETZT AUSSTEIGEN Frauen, die als Objekte betrachtet werden, gelten nicht als selbstbestimmte Akteurinnen. Das kann weder im Sinne der Frauen noch der auf gesellschaftlichen Fortschritt bedachten Männer sein.
Deshalb müssen Frauen die Opferrolle vehement und grundsätzlich ablehnen. Der Ausstieg aus alten Rollenzuschreibungen eröffnet auch der anderen Seite einen neuen Handlungsspielraum:
Eine Abkehr von dichotomen Geschlechterbildern führt dazu, dass Männer sich nicht mehr per se dem Tätervorwurf ausgesetzt sähen. Das könnte helfen, die Debatte über Alltagssexismus endlich wieder zu versachlichen.
 Tina Groll, Zeit online
(13) So wichtig die Bestätigung durch andere insbesondere im gemeinsamen Austausch über Gewalterfahrungen ist, so wichtig ist es auch, dass dieser Austausch erstens nicht nur ein sprachlicher ist (sondern auch ein körperlicher, raumfordernder), zweitens nicht nur ein reaktiver (und damit tatsächlich ein Austausch und kein bloßes Retweet oder Sharing), vor allem aber drittens ein Austausch ist, in dem ich mich womöglich mit Positionen und Verhaltensweisen konfrontiert sehe, die ich bislang nicht kannte oder die ich nicht teile und die ich nicht auf mich und meine Erfahrungen reduzieren kann.

Das waren verschiedene Schlaglichter und verschiedene Aspekte, die bei der #MeToo Debatte alle eine Rolle spielen und die es wert sind, sich darüber Gedanken zu machen. Wir haben uns gefragt, was bedeutet das alles für uns als Jugendverband. Wir veranstalten Aktionen mit Kindern und Jugendlichen, deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit solchen Themen beschäftigen. Dabei kommen viele Fragen auf, die wir als Anregung für die Jugendarbeit mitgeben möchten.

Wann beginnt Belästigung? Wir nehmen es für selbstverständlich andere zum Begrüßen zu umarmen, auch wenn sie uns noch nicht so bekannt sind.

Wie kann ich sicherstellen das jede*r sich in der Gruppe wohl fühlt?

Wann begegnet man mit einem Spiel oder Anschugger’le persönlichen Grenzen? Fühlt sich jede*r Teilnehmende wohl eng an eng an jemanden vorbei zu klettern oder gar einen Ball zwischen Oberkörpern zu halten?

Woran erkenne ich persönliche Grenzen?

Wie kann ich mit meinen Gruppenkindern diese Grenzen kommunizieren?


QUELLEN

(1) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus 

(2) https://www.zfmedienwissenschaft.de/online/blog/%C3%B6ffentliche-erregung-um-sexuelle-bel%C3%A4stigung-%E2%80%93-ein-ph%C3%A4nomen-der-%C3%BCberdetermination 

(3) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus/seite-9

(4) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus/seite-10

(5) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus/seite-2

(6) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus/seite-3

(7) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus/seite-5 

(8) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus/seite-4 

(9) http://www.deutschlandfunk.de/metoo-debatte-subtiler-sexismus-ist-das-vorfeld-fuer-echten.694.de.html?dram:article_id=415479 

(10) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus/seite-6

(11) https://www.zeit.de/kultur/2017-12/sexismusdebatte-metoo-feminismus/seite-7 

(12) https://www.textezurkunst.de/109/mein-dein-unser-metoo-moment/ 

(13) https://www.textezurkunst.de/109/mein-dein-unser-metoo-moment/