Die KjG läuft beim CSD mit! – Darf die denn so etwas?

Ein katholischer Jugendverband der bei einer Parade mitmacht, die für Homosexualität und mehr noch, für Vielfalt und Akzeptanz im ganzen Bereich LGBT wirbt, geht das?
Dürfen die das?

Die katholische Kirche hat ja eigentlich nichts gegen sexuelle Vielfalt. Eigentlich. Solange sie in einem gewissen Rahmen bleibt. Die Menschen, egal welcher Orientierung, sollen gefälligst in einer gültig geschlossenen Ehe (und dadurch natürlich auch nur Mann und Frau) miteinander Sex haben. Am besten aber natürlich auch nur, wenn sie Kinder haben wollen.

Wenn es um Mann/Mann oder Frau/Frau geht, wird das Ganze schon ein wenig schwieriger. In diesem Fall gilt dies grundsätzlich als „ungeordnet“, weil es der biblischen Schöpfungsordnung zu widersprechen scheint, d.h. in diesem Fall sind die Menschen an sich schon ok, aber was sie tun ist nicht ok.

Natürlich ist nicht immer grundsätzlich alles und immer ok und natürlich hat jede Gesellschaft, jede Institution und auch jede Religion ihre Rahmen und Regeln.
Aber ich denke, es ist und bleibt wichtig, immer darüber nachzudenken, was noch sinnvoll und gültig ist und was sich vielleicht auch verändert hat, verändern darf und verändern muss.

Denn Gesellschaft ändert sich und Wissen ändert sich auch.
Vielleicht ändert sich auch mal die ein oder andere persönliche Meinung?
Bis vor wenigen Jahren dachte man, Homosexualität wäre eine Krankheit und stand (und steht in manchen Ländern immer noch) unter Strafe.

Heute ist klar, dass wir uns unsere sexuelle Orientierung nicht raussuchen können, sondern, dass sie im Innersten zu uns gehört und einfach so ist, wie sie ist.
Wie ist das dann aber mit der Schöpfung? Wenn wir als Christen glauben, dass Gott uns so gemacht und gewollt hat, wie wir sind? Heißt das nun, dass Gott in der Schöpfung halt ein paar Fehler gemacht hat und die betroffenen Menschen jetzt einfach Pech gehabt haben, weil die einen in ihrer sexuellen Orientierung leben und lieben dürfen und die anderen nicht?
Was für eine Vorstellung steht hinter einem solchen Gottesbild?
Ist nicht einer unserer christlichen Grundaufträge, den/die Nächste*n zu lieben, so wie er oder sie ist? Ohne Ausnahmen?

Vielleicht dazu eine kleine Begebenheit: Neulich habe ich zwei jungen Männer getroffen und mich mit ihnen eine Weile unterhalten. Die beiden sind schon ein paar Jahre miteinander verheiratet. Ich muss zugeben, ich habe mir das ein oder andere Mal zwischendrun gedacht: Das ist schon krass, dass die beiden verheiratet sind, weil das für mich immer noch irgendwie ungewohnt ist. Bei einem „normalen“ Paar, d.h. Mann-Frau, hätte ich mir diese Gedanken sicherlich nicht gemacht.
Das sind zwei nette, junge Männer, die sich lieben, einander die Treue versprochen haben und dazu hin gemeinsam auch ihren Glauben leben.
Viele in Gesellschaft und Kirche sagen, dass so etwas nicht sein darf und angeblich „ungeordnet“ wäre?
Das ist Mist. Bei denen scheint mir mehr geordnet, als bei manch anderen.

Eines ist mir bei dem Gespräch wieder aufgegangen.
Ich kann immer gerne und viel über Rahmenbedingungen und Regeln sprechen, wenn ich sie nicht mit konkreten Menschen in Verbindung bringe. Sobald ich aber den Menschen dahinter in den Blick nehme, sollte ich spätestens als gläubige*r Christ*in merken, dass es ganz im Sinne Jesu ist, den Menschen vor das Gesetz zu stellen und von dort aus weiterzudenken und ihn nicht dahinter verschwinden zu lassen.

Was heißt das jetzt?
Darf die KjG trotz ihres „K“ beim CSD mitlaufen?

Ja sie darf es, meiner Meinung nach.
Vielleicht muss sie es sogar, gerade wegen ihres „K“. Solange Menschen andere Menschen nur wegen ihres sexuellen Anderssein nicht so akzeptieren, wie sie sind, muss sie es und solange Menschen, wie ich, es immer noch als ungewohnt und krass empfinden, dass zwei Männer oder zwei Frauen zusammen sind, muss sie es.

Wer weiß… vielleicht muss sie es eines Tages nicht mehr. Nämlich an dem Tag, wo wir hoffentlich auch keinen CSD mehr brauchen werden.

Wolfgang Metz, Geistlicher Diözesanleiter der KjG